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Jasmin Inal
About Jasmin Inal

Ich bin Deutsche und lebe seit 2004 in der Türkei, bin verheiratet und habe eine 2 jährige Tochter. Ich arbeite im Anadolu Krankenhaus als Dolmetscherin und Leiterin der Versicherungsabteilung für ausländische Patienten.

Beibehaltung der deutschen Staatsangehörigkeit

Da ich die Prozedur der Beibehaltung der deutschen und die Beantragung der türkischen Staatsangehörigkeit relativ neu hinter mich gebracht habe, möchte ich gerne meine Erfahrungen mit euch teilen. Seid euch aber bitte bewusst, dass dies meine persönlichen Erfahrungen sind.

Zunaechst ein sehr wichtiger Hinweis: Ihr müsst unbedingt die Beibehaltungsurkunde in Haenden halten, bevor Ihr die türkische (oder auch eine andere) Staatsangehörigkeit beantragt. Ansonsten kann es in Extremfaellen dazu kommen, dass euch nachtraeglich die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt wird.

Im Zuge der Beantragung eines Ausweises für meine damals neugeborene Tochter habe ich mich beim Konsulat in Antalya im Allgemeinen erkundigt über den Vorgang an sich etc. Denn da ich keinerlei Verwandten ersten Grades, Grundbesitz etc in Deutschland habe, hatte ich mir meine Chancen als sehr schlecht ausgerechnet und war daher am Überlegen, ob sich die Beantragung und daher die Kosten (immerhin etwas über 150 Euro wenn man die Beibehaltung nicht genehmigt bekommt) überhaupt lohnen. Die Mitarbeiterin des Konsulats, die für die Bearbeitung der Antraege zustaendig war (soweit ich weiss, hat es mittlerweile gewechselt) hat mich jedoch beruhigt und meinte, sie habe bisher keine Ablehnungen gesehen und wichtiger als die Bindungen, Rentenansprüche etc, waere es eigentlich beim Antrag glaubwürdig deutlich zu machen, dass man sich als Deutscher fühlt und auch unbedingt Deutscher bleiben möchte. Nach dieser Aussage habe ich mich dazu entschlossen, den Antrag zu stellen.

Für den Antrag benötigt man ein Antragsformular, dass man im Internet auf der Webseite des Bundesverwaltungsamts ausdrucken kann. Als weitere Unterlagen benötigt man Kopien von Ausweis/Reisepass, Schulabschlusszeugnis und Aufenthaltsgenehmigung. Zusaetzlich habe ich meine internationale Heiratsurkunde, Kopie der Geburtsurkunde meiner Tochter und Kopien ihres deutschen Reisepasses und ihres türkischen Ausweises abgegeben. Und das wichtigste ist es natürlich, schriftlich die Gründe darzulegen, aufgrund derer man die deutsche Staatsangehörigkeit nicht verlieren möchte und aufgrund derer man die türkische Staatsangehörigkeit benötigt. Dies soll aber nicht allgemein gehalten sein, sondern schon persönlichen Bezug haben.

Als Gründe für den Wunsch, die deutsche Staatsangehörigkeit beizubehalten, gelten Verwandte in Deutschland aufgelistet mit Adressen, Rentenansprüche, Urkunden über Besitz etc. Wenn ihr oft in Deutschland seid, könnt ihr Kopien der Flugtickets, Buchungen, Stempel im Reisepass etc mit abgeben. Auch wenn im Internet immer von Verwandten 1. Grades die Rede ist, kann man auch „entferntere“ Verwandte oder Freunde angeben. So habe ich es auch getan. Ausserdem habe ich meine Mutter angegeben, die mit meinem Stiefvater in Schottland lebt, da ich ein Visum gebraucht haette, wenn ich nur die türkische Staatsangehörigkeit gehabt haette.

Ansonsten habe ich als erstes natürlich angegeben, dass ich mich auch nach all den Jahren hier, als Deutsche fühle und dies nicht verlieren möchte. Ausserdem habe ich geschrieben, dass ich meiner Tochter und evtl. weiteren Kindern jederzeit ihre zweite Heimat zeigen möchte. Abgesehen davon habe ich angegeben, dass ich im Falle einer Scheidung oder des Todes meines Mannes die Möglichkeit haben möchte, nach Deutschland zu ziehen, die Möglichkeit haben möchte, kurzfristig nach Deutschland reisen zu können, sollte meinen Grosseltern etwas passieren.

Als Begründung für die türkische Staatsangehörigkeit habe ich angegeben, dass ich total von meinem Ehemann abhaengig bin, da ich als Auslaenderin hier nicht einmal einen Handyvertrag oder aehnliches problemlos abschliessen kann. Ausserdem haben wir eine Wohnung gekauft und ich habe angegeben, dass ich im Falle des Todes meines Mannes als Auslaenderin den Kredit nicht auf meinen Namen übernehmen könnte. Ausserdem habe ich angegeben, dass ich im Falle einer Scheidung meine Tochter ungern von meinem Mann trennen möchte und daher evtl. hier leben würde, was dann aber schwerer waere in Bezug auf die Arbeitsgenehmigung. Ich habe auch angegeben, dass man mit der Arbeitsgenehmigung an seinen Arbeitsgeber gebunden ist, viele Arbeitgeber keine Genehmigung beantragen möchten und man teilweise der Willkür der Arbeitgeber ausgeliefert ist, da man auch nicht mal so kündigen und eine andere Arbeit aufnehmen kann.

Ihr seht also, dass ich wirklich einfach so drauflos geschrieben habe. Nachdem  ich alle Unterlagen bereit hatte, habe ich telefonisch einen Termin im Konsulat Antalya vereinbart. Waehrend der Abgabe der Unterlagen wird ein kurzes Gespraech gemacht. Dies hat den Grund darin, dass der jeweilige Sachbearbeiter seine Beurteilung mit den Unterlagen nach Deutschland schickt.

Nach ca. 1 1/2 bis Monaten bekam ich dann eine email, dass mein Antrag angenommen wurde und ich die Urkunde beim Konsulat in Antalya abholen kann. Bei der Abholung muss man nachweisen, dass man die Gebühr bezahlt hat. Ich kann euch, aus eigener Erfahrung, nur empfehlen, den Betrag von einem deutschen Konto aus zu bezahlen. Ich habe den Betrag hier überweisen lassen, extra angegeben, dass die Gebühren bei mir abgezogen werden sollen etc. Dennoch wurden 20 € zu wenig überwiesen und ich musste einen Monat spaeter nochmals Geld einzahlen.

Wenn ich Euch noch helfen kann, könnt Ihr gerne als Kommentar Eure Fragen stellen. Soweit ich kann, werde ich gerne helfen.

Doppelte Staatsbürgerschaft

Beibehaltung der Deutschen Staatsbürgerschaft

Da ich die Prozedur der Beibehaltung der deutschen und die Beantragung der türkischen Staatsangehörigkeit relativ neu hinter mich gebracht habe, möchte ich gerne meine Erfahrungen mit euch teilen. Seid euch aber bitte bewusst, dass dies meine persönlichen Erfahrungen sind. Zunächst ein sehr wichtiger Hinweis: Ihr müsst unbedingt die Beibehaltungsurkunde in Händen halten, bevor Ihr die türkische (oder auch eine andere) Staatsangehörigkeit beantragt. Ansonsten kann es in Extremfällen dazu kommen, dass euch nachträglich die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt wird. Im Zuge der Beantragung eines Ausweises für meine damals neu geborene Tochter habe ich mich beim Konsulat in Antalya im Allgemeinen erkundigt über den Vorgang an sich etc. 

Denn da ich keinerlei Verwandte ersten Grades, Grundbesitz etc in Deutschland habe, hatte ich mir meine Chancen als sehr schlecht ausgerechnet und war daher am Überlegen, ob sich die Beantragung und daher die Kosten (immerhin etwas über 150 Euro wenn man die Beibehaltung nicht genehmigt bekommt) überhaupt lohnen. Die Mitarbeiterin des Konsulats, die für die Bearbeitung der Anträge zuständig war (soweit ich weiß, hat es mittlerweile gewechselt) hat mich jedoch beruhigt und meinte, sie habe bisher keine Ablehnungen gesehen und wichtiger als die Bindungen, Rentenansprüche etc, wäre es eigentlich beim Antrag glaubwürdig deutlich zu machen, dass man sich als Deutscher fühlt und auch unbedingt Deutscher bleiben möchte. Nach dieser Aussage habe ich mich dazu entschlossen, den Antrag zu stellen.

Für den Antrag benötigt man ein Antragsformular, dass man im Internet auf der Webseite des Bundesverwaltungsamts ausdrucken kann. Als weitere Unterlagen benötigt man Kopien von Ausweis/Reisepass, Schulabschlusszeugnis und Aufenthaltsgenehmigung. Zusätzlich habe ich meine internationale Heiratsurkunde, Kopie der Geburtsurkunde meiner Tochter und Kopien ihres deutschen Reisepasses und ihres türkischen Ausweises abgegeben. Und das wichtigste ist es natürlich, schriftlich die Gründe darzulegen, aufgrund derer man die deutsche Staatsangehörigkeit nicht verlieren möchte und aufgrund derer man die türkische Staatsangehörigkeit benötigt. Dies soll aber nicht allgemein gehalten sein, sondern schon persönlichen Bezug haben. Als Gründe für den Wunsch, die deutsche Staatsangehörigkeit beizubehalten, gelten Verwandte in Deutschland aufgelistet mit Adressen, Rentenansprüche, Urkunden über Besitz etc. Wenn ihr oft in Deutschland seid, könnt ihr Kopien der Flugtickets, Buchungen, Stempel im Reisepass etc mit abgeben. Auch wenn im Internet immer von Verwandten 1. Grades die Rede ist, kann man auch „entferntere“ Verwandte oder Freunde angeben. So habe ich es auch getan. Außerdem habe ich meine Mutter angegeben, die mit meinem Stiefvater in Schottland lebt, da ich ein Visum gebraucht hätte, wenn ich nur die türkische Staatsangehörigkeit gehabt hätte.

Ansonsten habe ich als erstes natürlich angegeben, dass ich mich auch nach all den Jahren hier, als Deutsche fühle und dies nicht verlieren möchte. Außerdem habe ich geschrieben, dass ich meiner Tochter und evtl. weiteren Kindern jederzeit ihre zweite Heimat zeigen möchte. Abgesehen davon habe ich angegeben, dass ich im Falle einer Scheidung oder des Todes meines Mannes die Möglichkeit haben möchte, nach Deutschland zu ziehen, die Möglichkeit haben möchte, kurzfristig nach Deutschland reisen zu können, sollte meinen Großeltern etwas passieren.

Als Begründung für die türkische Staatsangehörigkeit habe ich angegeben, dass ich total von meinem Ehemann abhängig bin, da ich als Ausländerin hier nicht einmal einen Handyvertrag oder ähnliches problemlos abschließen kann. Außerdem haben wir eine Wohnung gekauft und ich habe angegeben, dass ich im Falle des Todes meines Mannes als Ausländerin den Kredit nicht auf meinen Namen übernehmen könnte. Außerdem habe ich angegeben, dass ich im Falle einer Scheidung meine Tochter ungern von meinem Mann trennen möchte und daher evtl. hier leben würde, was dann aber schwerer wäre in Bezug auf die Arbeitsgenehmigung. Ich habe auch angegeben, dass man mit der Arbeitsgenehmigung an seinen Arbeitgeber gebunden ist, viele Arbeitgeber keine Genehmigung beantragen möchten und man teilweise der Willkür der Arbeitgeber ausgeliefert ist, da man auch nicht mal so kündigen und eine andere Arbeit aufnehmen kann.

Ihr seht also, dass ich wirklich viele Gründe aufgeführt habe. Nachdem  ich alle Unterlagen bereit hatte, habe ich telefonisch einen Termin im Konsulat Antalya vereinbart. Während der Abgabe der Unterlagen wird ein kurzes Gespräch geführt. Dies hat den Grund darin, dass der jeweilige Sachbearbeiter seine Beurteilung mit den Unterlagen nach Deutschland schickt. Nach ca. 1 1/2 bis Monaten bekam ich dann eine E-Mail, dass mein Antrag angenommen wurde und ich die Urkunde beim Konsulat in Antalya abholen kann.

Bei der Abholung muss man nachweisen, dass man die Gebühr bezahlt hat. Ich kann euch, aus eigener Erfahrung, nur empfehlen, den Betrag von einem deutschen Konto aus zu bezahlen. Ich habe den Betrag hier überweisen lassen, extra angegeben, dass die Gebühren bei mir abgezogen werden sollen etc. Dennoch wurden 20 € zu wenig überwiesen und ich musste einen Monat später nochmals Geld einzahlen.

Wenn ich Euch noch helfen kann, könnt Ihr gerne als Kommentar Eure Fragen stellen. Soweit ich kann, werde ich gerne helfen.

Hi an alle

ich bin Jasmin, 33 Jahre alt und lebe seit fast 12 Jahren in der Türkei. Seit 4 1/2 Jahren bin ich verheiratet und habe eine 2 jaehrige Tochter. Fast die gesamte Zeit meines Aufenthalts hier, habe ich als Dolmetscherin mit Aerzten zusammengearbeitet. Seit 6 Jahren arbeite ich in einem privaten Krankenhaus in Side und bin mittlerweile Leiterin der Versicherungsabteilung für auslaendische Patienten. Somit liegt es nah, mein Wissen und meine Erfahrungen zu teilen, denn ich denke, dass dieses Thema für viele hier Lebenden interessant und wichtig ist.

Gesundheitssystem Teil I

Gesundheitssystem

Es gibt zwei entscheidene Unterschiede zum deutschen Gesundheitssystem. Zum einen sind in der Türkei Arztpraxen ausserhalb von Krankenhäusern grundsätzlich privat und darum werden Untersuchungen etc nicht von den Versicherungen übernommen. Zum anderen ist es so, dass es zusaetzlich zu den staatlichen Krankenhäusern auch viele private Krankenhäuser gibt. Ob nun die privaten besser sind als die staatlichen ist streitbar. Man muss bedenken, dass fast jeder, der krank ist, in ein Krankenhaus geht, da dort die jeweilige Versicherung greift.

Da viele gesetzlich versichert sind und sich die Zuzahlungen im privaten Krankenhaus nicht leisten können, kann es vorkommen, dass ein Arzt im staatlichen Krankenhaus an einem Tag mehrere 100 ambulante Patienten oder mehr hat. Wenn man nun Zeit für Visiten bei den stationären Patienten, eventuelle Operationen und natürlich auch Pausen abzieht, ist es nicht verwunderlich, dass der Arzt keine Zeit und teilweise auch keine Lust hat, lange auf den jeweiligen Patienten einzugehen. Dies hat nichts mit der Qualität des Arztes zu tun, sondern ist menschlich. Welches Krankenhaus also besser ist, hängt vom jeweiligen Arzt ab.

Die türkische Sozialversicherung gilt in allen staatlichen Krankenhäusern und auch im Grossteil der privaten Krankenhäusern. Ob ein privates Krankenhaus ein Abkommen mit der türkischen Sozialversicherung hat, kann man jeweils am Empfang oder am Telefon erfragen. In den privaten Krankenhäusern wird ein Teil der Kosten von der Sozialversicherung getragen, einen Teil muss der Patient (mit Ausnahmen für einige besondere Behandlungen) selber bezahlen. Die Höhe der Zuzahlung wird von der Sozialversicherung bestimmt. Diese entscheidet je nach Grösse des Krankenhauses, Anzahl der Fachrichtungen, Grösse der Stadt etc, wieviel Prozent das Krankenhaus als Zuzahlung verlangen darf. Prozent heisst, wenn die Sozialversicherung für eine Leistung z.b. 100 TL bezahlt und das Krankenhaus 100.% Zuzahlung verlangen darf, muss der Patient 100 TL dazubezahlen. Allerdings nehmen die meisten Krankenhäuser weniger, ausserdem lassen die meisten Krankenhäuser gerade bei Operationen mit sich handeln.

Wenn man im Ausland privat versichert ist, ist es so, dass die Versicherungen bei ambulanten Behandlungen vorschreiben, dass der Patient selber bezahlen muss und sein Geld nach Einreichen der Rechnungzurück erhält. Bei stationärer Behandlung werden die Kosten meist direkt mit dem Krankenhaus abgerechnet, welches von der jeweiligen Versicherung eine schriftliche Erkläeung erhält, dass die Kosten übernommen werden.

Bei einer türkischen Privatversicherung hängt die Zuzahlung vom Vertrag ab. Ausserdem kann es sein, dass bestimmte Vorerkrankungen nicht versichert werden (wer zb. Eine Bypass-Operation hatte, wird nicht für Herzprobleme versichert). Ausserdem ist man in den ersten 6 Monaten mindestens zumeist nur für Notfälle versichert, alles andere muss man selber bezahlen.

Dies sind vorerst ein paar allgemeine Informationen. Ich werde noch weiteres schreiben. Wer mag, darf gerne einen Kommentar und Fragen hinterlassen, wenn ihn ein bestimmtes Thema bezüglich dem Gesundheitssystem interessiert. Ausserden stehe ich auch ansonsten jederzeit gerne zur Verfügung bei Fragen oder Problemen.

Was den Standard angeht, ist dieser hier genauso hoch wie in Deutschland. Dazu muss man sagen, dass man gerade in privaten Krankenhäusern kaum Wartezeiten für Tests wie Tomographie oder Operationen etc hat. Die Diagnostik ist sehr gut und auch die Behandlungen. In Antalya und Umgebung haben die privaten Krankenhäuser Dolmetscher für viele Sprachen, in den staatlichen Krankenhäusern sollte man schon jemanden als Übersetzer dabei haben, da evtl. die Ärzte Englisch können, andere Sprachen aber eher selten.

Hi an alle

ich bin Jasmin, 33 Jahre alt und lebe seit fast 12 Jahren in der Türkei. Seit 4 1/2 Jahren bin ich verheiratet und habe eine 2 jaehrige Tochter. Fast die gesamte Zeit meines Aufenthalts hier, habe ich als Dolmetscherin mit Aerzten zusammengearbeitet. Seit 6 Jahren arbeite ich in einem privaten Krankenhaus in Side und bin mittlerweile Leiterin der Versicherungsabteilung für auslaendische Patienten. Somit liegt es nah, mein Wissen und meine Erfahrungen zu teilen, denn ich denke, dass dieses Thema für viele hier Lebenden interessant und wichtig ist.