Beibehaltung der deutschen Staatsangehörigkeit

Da ich die Prozedur der Beibehaltung der deutschen und die Beantragung der türkischen Staatsangehörigkeit relativ neu hinter mich gebracht habe, möchte ich gerne meine Erfahrungen mit euch teilen. Seid euch aber bitte bewusst, dass dies meine persönlichen Erfahrungen sind.

Zunaechst ein sehr wichtiger Hinweis: Ihr müsst unbedingt die Beibehaltungsurkunde in Haenden halten, bevor Ihr die türkische (oder auch eine andere) Staatsangehörigkeit beantragt. Ansonsten kann es in Extremfaellen dazu kommen, dass euch nachtraeglich die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt wird.

Im Zuge der Beantragung eines Ausweises für meine damals neugeborene Tochter habe ich mich beim Konsulat in Antalya im Allgemeinen erkundigt über den Vorgang an sich etc. Denn da ich keinerlei Verwandten ersten Grades, Grundbesitz etc in Deutschland habe, hatte ich mir meine Chancen als sehr schlecht ausgerechnet und war daher am Überlegen, ob sich die Beantragung und daher die Kosten (immerhin etwas über 150 Euro wenn man die Beibehaltung nicht genehmigt bekommt) überhaupt lohnen. Die Mitarbeiterin des Konsulats, die für die Bearbeitung der Antraege zustaendig war (soweit ich weiss, hat es mittlerweile gewechselt) hat mich jedoch beruhigt und meinte, sie habe bisher keine Ablehnungen gesehen und wichtiger als die Bindungen, Rentenansprüche etc, waere es eigentlich beim Antrag glaubwürdig deutlich zu machen, dass man sich als Deutscher fühlt und auch unbedingt Deutscher bleiben möchte. Nach dieser Aussage habe ich mich dazu entschlossen, den Antrag zu stellen.

Für den Antrag benötigt man ein Antragsformular, dass man im Internet auf der Webseite des Bundesverwaltungsamts ausdrucken kann. Als weitere Unterlagen benötigt man Kopien von Ausweis/Reisepass, Schulabschlusszeugnis und Aufenthaltsgenehmigung. Zusaetzlich habe ich meine internationale Heiratsurkunde, Kopie der Geburtsurkunde meiner Tochter und Kopien ihres deutschen Reisepasses und ihres türkischen Ausweises abgegeben. Und das wichtigste ist es natürlich, schriftlich die Gründe darzulegen, aufgrund derer man die deutsche Staatsangehörigkeit nicht verlieren möchte und aufgrund derer man die türkische Staatsangehörigkeit benötigt. Dies soll aber nicht allgemein gehalten sein, sondern schon persönlichen Bezug haben.

Als Gründe für den Wunsch, die deutsche Staatsangehörigkeit beizubehalten, gelten Verwandte in Deutschland aufgelistet mit Adressen, Rentenansprüche, Urkunden über Besitz etc. Wenn ihr oft in Deutschland seid, könnt ihr Kopien der Flugtickets, Buchungen, Stempel im Reisepass etc mit abgeben. Auch wenn im Internet immer von Verwandten 1. Grades die Rede ist, kann man auch „entferntere“ Verwandte oder Freunde angeben. So habe ich es auch getan. Ausserdem habe ich meine Mutter angegeben, die mit meinem Stiefvater in Schottland lebt, da ich ein Visum gebraucht haette, wenn ich nur die türkische Staatsangehörigkeit gehabt haette.

Ansonsten habe ich als erstes natürlich angegeben, dass ich mich auch nach all den Jahren hier, als Deutsche fühle und dies nicht verlieren möchte. Ausserdem habe ich geschrieben, dass ich meiner Tochter und evtl. weiteren Kindern jederzeit ihre zweite Heimat zeigen möchte. Abgesehen davon habe ich angegeben, dass ich im Falle einer Scheidung oder des Todes meines Mannes die Möglichkeit haben möchte, nach Deutschland zu ziehen, die Möglichkeit haben möchte, kurzfristig nach Deutschland reisen zu können, sollte meinen Grosseltern etwas passieren.

Als Begründung für die türkische Staatsangehörigkeit habe ich angegeben, dass ich total von meinem Ehemann abhaengig bin, da ich als Auslaenderin hier nicht einmal einen Handyvertrag oder aehnliches problemlos abschliessen kann. Ausserdem haben wir eine Wohnung gekauft und ich habe angegeben, dass ich im Falle des Todes meines Mannes als Auslaenderin den Kredit nicht auf meinen Namen übernehmen könnte. Ausserdem habe ich angegeben, dass ich im Falle einer Scheidung meine Tochter ungern von meinem Mann trennen möchte und daher evtl. hier leben würde, was dann aber schwerer waere in Bezug auf die Arbeitsgenehmigung. Ich habe auch angegeben, dass man mit der Arbeitsgenehmigung an seinen Arbeitsgeber gebunden ist, viele Arbeitgeber keine Genehmigung beantragen möchten und man teilweise der Willkür der Arbeitgeber ausgeliefert ist, da man auch nicht mal so kündigen und eine andere Arbeit aufnehmen kann.

Ihr seht also, dass ich wirklich einfach so drauflos geschrieben habe. Nachdem  ich alle Unterlagen bereit hatte, habe ich telefonisch einen Termin im Konsulat Antalya vereinbart. Waehrend der Abgabe der Unterlagen wird ein kurzes Gespraech gemacht. Dies hat den Grund darin, dass der jeweilige Sachbearbeiter seine Beurteilung mit den Unterlagen nach Deutschland schickt.

Nach ca. 1 1/2 bis Monaten bekam ich dann eine email, dass mein Antrag angenommen wurde und ich die Urkunde beim Konsulat in Antalya abholen kann. Bei der Abholung muss man nachweisen, dass man die Gebühr bezahlt hat. Ich kann euch, aus eigener Erfahrung, nur empfehlen, den Betrag von einem deutschen Konto aus zu bezahlen. Ich habe den Betrag hier überweisen lassen, extra angegeben, dass die Gebühren bei mir abgezogen werden sollen etc. Dennoch wurden 20 € zu wenig überwiesen und ich musste einen Monat spaeter nochmals Geld einzahlen.

Wenn ich Euch noch helfen kann, könnt Ihr gerne als Kommentar Eure Fragen stellen. Soweit ich kann, werde ich gerne helfen.

6. September 2016

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