Vom Fremdsein und Nähe – und was Bücher damit zu tun haben können Teil I

Wir sind alle Ausländer

Integration , Leitkultur, Parallelwelten, Fremde  und Überfremdung….das sind die Schlagwörter mit denen wir  seit Monaten in den Medien überschüttet werden.

Wir  leben im Ausland, in der Türkei,  wir haben einen Aufenthaltstatus oder aber sind Eingebürgerte mit “Migrationshintergrund “ –  und wir sind freiwillig hier. Unsere  Erfahrungen als Ausländer in einem fremden Land müssten uns eigentlich  besonders sensibel machen für die Situation der Ausländer in Deutschland…seien es Arbeitsmigranten oder  aber Flüchtlinge.  Ich höre bereits den Einwand das sei etwas ganz anderes…

Ist es das wirklich? Wir unterscheiden  uns durch unsere Priviligiertheit. Kein Krieg und keine Katastrophen haben uns genötigt unser  Herkunftsland zu verlassen und die Rückkehr (im Notfall oder wenn es nicht mehr passt) ist für fast alle eine Option. Davon aber  abgesehen haben auch wir  einen anderen kulturellen Hintergrund, sind anders aufgewachsen, fühlen uns manchmal fremd, sind öfters auf Hilfe angewiesen  und betrachten das Leben in der Fremde durch unsere Brille.

Darum denke ich es ist nicht verkehrt einmal in einen imaginären Spiegel zu schauen und sich selber– ohne erhobenen Zeigefinger –   ein paar Fragen zu stellen :

Wie fühle ich mich in diesem Land, spüre ich ständig mein Anderssein,  habe ich Kontakte zu Einheimischen und wie sehen diese aus. Fühle ich mich willkommen  und  akzeptiert oder habe ich häufig das Gefühl mich schützen und abschotten zu müssen. Bin ich integriert in mein türkisches Umfeld, möchte ich das überhaupt sein? Könnte und wollte ich hier auch leben wenn es außer mir keine anderen Ausländer gebe? Spreche ich Türkisch und wenn auf welchem Niveau, lerne ich dazu oder stagnieren meine Kenntnisse. Interessiere ich mich für die Einheimischen, bin ich neugierig mit welchen Liedern sie aufwuchsen, welche Geschichten ihnen erzählt wurden. Kenne ich die Geschichte dieses Landes, ihre Künstler und ihre Dichter? Mir begegnet so viel was ich nicht verstehe: möchte ich es verstehen oder befremdet es mich nur. Muss ich belehren oder  kann ich auch etwas lernen von den Einheimischen, sehe ich überwiegend Trennendes oder erlebe ich auch Verbindendes…..

Dieser Liste hat bestimmt jede/r noch etwas hinzuzufügen und es gibt auf viele dieser Fragen auch keine endgültigen Antworten , denn das Hiersein ist ja nicht erstarrt  sondern befindet sich in ständiger  Veränderung.

Ich selber wollte und will mich so wenig fremd wie möglich fühlen und darum ging es mir immer darum wie sich Nähe entwickeln kann ohne das ich mich völlig verbiegen muss.

auf geht’s zum zweiten Teil …..

Gedanken und Ideen zu diesem Thema interessieren mich

Hallo, mein Name ist Ingrid Wichers-Yildirim, ich bin gebürtige Hamburgerin (1959), habe Sonderpädagogik studiert und war viele Jahre in integrativen Einrichtungen beschäftigt. Im Rahmen eines Zusatzstudiums begann ich Türkisch zu lernen und besuchte Seminare in Deutsch als Fremdsprache (DaF).
Nach der Geburt unseres Sohnes zogen wir nach Manavgat. Ich arbeitete mehrere Jahre in einem Kindergarten. Danach legte ich den Schwerpunkt auf die sprachliche Förderung unser zweisprachig aufwachsenden Kinder . Inzwischen arbeite ich in unserer Firma im Bereich Personalwesen und habe seit 2011 die türkische Staatsbürgerschaft.
Meine Erfahrungen und Kenntnisse die ich in über 20 Jahren gewonnen habe möchte ich gerne mit anderen teilen und zur Verfügung stellen.

18. Oktober 2016 , , , , , , , ,

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